Achtsam den Arsch hochkriegen

Achtsam den Arsch hochkriegen

Motiviert durch den Langdistanzlauf

Motivationstrainer hassen diesen Trick

Fehlt dir auch manchmal zu allem der Antrieb? Nervt der Chef, der Hund, die Welt ist scheisse und Sport sowieso? Dann verrate ich dir in diesem Artikel das ultimative Geheimnis über die menschliche Motivation!

Aber wie immer von vorne: Ich habe mich ja auf meiner Achtsamkeitsreise vor mittlerweile sechs Wochen nach Portugal in die bewusste Einsamkeit zurückgezogen. Klingt toll, oder? Den lieben langen Tag so gestalten, wie man Lust hat. Chillen wann man will, arbeiten wann man will, trinken wann man will und spät aufstehen wann man will. Herrlich! Zumindest die ersten drei Wochen. Irgendwann war er dann da, der Moment der Einsamkeit. Ja kein Witz, ich hatte Heimweh. Sechs Grad, Nieselregen, Staus, miesgelaunte Menschen und Baustellen. All das klang plötzlich großartig für mich. Die einzige Konversation, die ich seit Wochen betrieb, war der Smalltalk an der Supermarktkasse. „Wollen Sie eine Tüte dazu?“ „Oh nett, dass sie fragen, ja mir geht es super! Also gestern hab ich einen wirklich schönen Spaziergang-heee. Heee, lassen sie meine Jacke–heee. Ja, Mr. Security, ich geh ja schon“. Du erkennst das Problem. Und plötzlich kam ein vertrauter Bekannter: Das geliebte „Mimimi, ich bin so alleine, mimimi, keine Lust auf Sport, mimimimi, ich schreib mein Buch nächste Woche weiter, liest eh keiner, mimimi, keine Lust meine Kurse vorzubereiten, mimimi, Eiscreme im Bett klingt aber super. Und Rotwein auch!“ Was hast du gedacht? Dass Personal Trainer keinen Durchhänger haben? Leider nein, leider gar nicht.

Also wo ist er nun, der versprochene Supertrick, das ultimative Supergeheimnis, die Abkürzung zum Glück? Kann ich dir sagen: Arsch hochkriegen. Motivation ist eine Erfindung von Sportartikelherstellern und der einzige Mensch der dir im Leben im Weg steht, bist du selbst. Hallo? Hey! Liest du noch weiter? Gut! Wie du siehst, verfüge ich über ein überragendes Talent, Dinge sanft in Watte zu packen. Aber da ist leider das Kernproblem. Menschen haben sich das Konstrukt der Motivation erschaffen, um Ausreden zu haben. „Andere sind einfach motivierter als ich. Andere haben es einfacher. Ich kann mich einfach nicht aufraffen“. Und alle so: Komm, lass nen Personal Trainer engagieren, der gibt mir Motivation. Irgendwie wartet die halbe Welt darauf, dass Motivation vom Baum fällt, wie ne reife Frucht. Freund der Sonne, komm da unter der Pappel weg- da fällt nix, versprochen!

Ok, ok. Bevor ich jetzt die letzten Leser verjage, natürlich gibt es einen Weg. Er ist steinig, anstrengend, einsam, bergauf, lang und scheisse, aber hey: Es gibt einen Weg und du kannst ihn gehen!

Motivation kommt von Motiv

Zurück zum Durchhänger. Wenn es ein wirkliches Geheimnis gibt, dass ich dir als Mensch, als Trainer und als Wissenschaftler mitgeben kann: Nicht die Motivation ist das Problem, sondern das Motiv. Ja, richtig gehört. Wenn du dich für irgendwas nicht aufraffen kannst, ist dir das Ziel noch nicht schmackhaft genug. Wenn ich dir eine Million Euro ins Ziel am Ende eines zwanzig Kilometer Laufs, nachts um drei, bei Minusgraden, legen würde, was würde passieren? Richtig! Du würdest aufstehen und Forrest Gump Konkurrenz machen. Als erstes frag dich also was treibt dich an? Was treibt dich WIRKLICH an? Wer willst du sein? Mal dir dieses Endergebnis jeden verdammten Tag so lebendig aus, wie es nur geht. Setz dich auf dein Sofa (ja, jetzt darfst du) und stell es dir vor. Die Ziellinie, das Ende des Tunnels (nicht das mit dem Licht und den Wolken, da bitte wieder umdrehen). FÜHL dich als Gewinner, spüre wie sich Erfolg anfühlt. Das wird ab sofort deine tägliche Meditation, das wird nämlich dein Kraftstoff für die nächsten anstrengenden, harten Monate.

Das Problem mit der Komfortzone

Aber wieso ist es so Gottverdammt schwer, den Arsch hochzukriegen? Weil dein Gehirn versucht dich zu schützen. Dein Hirn hat dir eine gemütliche Komfortzone mit warmen Kissen und wohliger Wärme geschaffen und versucht nun mit aller Macht dafür zu sorgen, dass du diese nicht verlässt. Es möchte dich vor Schmerz, unangenehmen Gefühlen, Zurückweisung und Niederlagen schützen. Du musst also einen Weg finden, deinem Hirn zu zeigen, dass du mehr drauf hast. Dass euch nichts passiert. Dabei gilt folgende goldene Regel: Scheiss auf die Dinge, die du aktuell nicht ändern kannst und frag dich, was stattdessen innerhalb deiner Kontrolle liegt. Egal in welcher Situation du steckst, wenn dir irgendetwas zu groß erscheint, änder umgehend den Fokus auf etwas, dass du besser kontrollieren kannst und fang da an. Die aller meisten Dinge scheitern an dem Gefühl des Kontrollverlusts. Hol dir die Kontrolle zurück! Du schaffst es einfach noch nicht an diesem Stück Kuchen vorbeizugehen? Okay. Hör auf deine gesamte Lebensenergie auf den Versuch zu verschwenden. Aber was du schaffst ist dir eine Minute lang vorher dein Ziel zu visualisieren, zehn Kniebeugen zu machen und beim Frühstück die Kalorien einzusparen. Du hast ein Projekt auf der Arbeit versemmelt? Okay. Shit happens! Fokus back on track! In was bist du gut? Welchen nächsten Schritt kannst du gehen? Schöpfe dein Selbstvertrauen aus anderen Bereichen und führe dir die immer wieder vor Augen.

Nachdem du vorhin nun schon damit begonnen hast, deine Motive zu visualisieren, kommt jetzt noch ein überlebenswichtiges Tool dazu: Übe mental die Schlüsselmomente. Gehe im Geiste immer und immer wieder die Momente durch, die dich bisher von etwas abhalten oder die dir Angst machen und überlege dir Lösungen. Stelle dir vor, wie du vom Sofa aufstehst, die Laufschuhe packst und erfolgreich losläufst, wie du „nein Danke“ zum Kuchen sagst, oder die Präsentation vor allen Vorständen hältst. Machen Olympioniken, Navy Seals und ab heute auch du. Visualisiere dein Ziel und deine Stolpersteine.

Das nächste Geheimnis der Motivation ist ihre bucklige Verwandtschaft. Die unerotische Stiefschwester von Motivation ist die Disziplin. Unsexy. Lästig. Niemand möchte gern über sie reden. Aber sie ist dein Schlüssel. Hier jedoch endlich mal eine gute Nachricht: Disziplin kann man lernen und ist übertragbar. Also weniger von mir zu dir.

Regel Nummer eins: Da musst du durch als Lurch!

Wenn du merkst, dass du einen Durchhänger hast, warte nicht darauf bis dich die Motivation wie ein Schlag trifft, das Thema hatten wir ja bereits. Fang an deinen Wecker eine Stunde früher zu stellen, endlich die Steuer zu machen, kalt zu duschen, den Kühlschrank zu putzen. Ja, ich weiß, du erwähntest es bereits, dir fehlt doch die Motivation. Aber das ist er, der Weg. Dein Gehirn muss sich wieder an die Tatsache gewöhnen, Dinge zu tun, die absolut völlig unspaßig sind. Außerhalb der Komfortzone, denn da lag die Million, das Ende des Regenbogens, das Land mit Milch und Honig. Und wie machst du das? In dem du im Geiste die Uhr vordrehst. Kehr immer und immer wieder zum Zieleinlauf zurück. DAFÜR machst du das. DAFÜR die Mühe, die Umbequemlichkeit, die Entbehrung. Für diesen Rausch an positiven Emotionen, wenn du endlich das erreicht hast, was du dir niemals zu träumen gewagt hast. Zwanzig Kilo abnehmen? Ich doch nicht. Ein eigenes Unternehmen gründen? Ich doch nicht. Ein sportliches Ziel erreichen? Ich doch nicht! Doch. Du! Genau du! Und das Gefühl wird bombastisch!!! Du wirst dich fühlen wie King Lui im Affenstall und das mit Recht! Geh nochmal in dich und überleg dir, wie es dir WIRKLICH geht, wenn du dich fallen lässt? Alles vor dir herschiebst, deine Ziele schleifen lässt, dich mit Ausreden selbst belügst. Richtig! Es fühlt sich scheisse an! Die Rechnung geht sowas von nicht auf!

Und weißt du was das tollste an den beschissenen Tagen ist? An den schlechten Läufen, den miesen Projekten, den frustrierenden Phasen? Genau! Sie sind dein verdammter „Moment to Shine„. Kämpfer greifen dann an, wenn alles verloren scheint, wenn es zäh wird. Wenn es mies und unangenehm wird, dann braucht man Manager, Kämpfer und Anpacker. In einfachen Momenten durchhalten, kann wirklich jeder. Aber du kannst mehr! Du kannst der Fighter sein. Es wird sich nicht jeder Lauf leicht anfühlen, aber nach jedem Lauf bist du ein Stück fitter als vorher. Egal wie zäh und klein die Schritte sind, sie sind Schritte Richtung Ziel.

Wie kommt man also raus aus dem Tief? Fang mit konkreten Zielen an! Mach sie für dich verbindlich, erzähl deinen Freunden davon, setz dir eine Frist und übe deine Disziplin in anderen Dingen, damit dein Gehirn dir mehr zutraut!

Für mich war der Weg mich wieder bei einem Marathon anzumelden, jeden Tag tausend Zeichen im Buch zu schreiben, täglich eine eiskalte Dusche, jeden verdammten Tag meine Agenda abzuhaken. Mein Antrieb ist es, irgendwann einmal Vorbild sein zu können. Der Gedanke treibt mich an. Menschen Mut zu machen. Und wenn mich plötzlich irgendwo die Sorge packt? Ich drohe durchzuhängen? Richtig! Dann räume ich die Spülmaschine aus. Oder mach zwanzig Situps. Denn DAS kann ich gerade in diesem Moment kontrollieren. Und du auch! Zeig deinem Gehirn, wo die wirklichen Früchte zu ernten sind. Niemand hat Geschichte in seiner Komfortzone geschrieben. Wann fängst du an deine zu schreiben?

Wenn du jetzt zwar einen Haufen Motive hast, aber noch keine Idee, wie du sie konkret umsetzen kannst, dann helfe ich dir natürlich gern mit einem Coaching oder in meinen Kursen weiter! Schreib mir einfach!

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2 Antworten

  1. Bernd Rörig sagt:

    Hallo Kim (ich sag mal Du), hab eben deinen Vortrag gehört bei AFRY, und gerade Deine Homepage gesichtet. Gratulation, Respekt. Gute Statements, interessante Werkzeuge. Als Ex-Läufer und Ex-Handballer finde ich mich in vielem von Dir Gesagtem wieder. Habe mich in vielen Dingen auch ertappt gefühlt. Hat mich wach gerüttelt. Werde über vieles Nachdenken und hoffe das ein oder andere umsetzen zu können. Mach weiter so. Du bringst es gut und authentisch rüber. Good Luck. DANKE. VG Bernd Rörig, Ex-Karlsruhe, nun Bruchsal

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